990 Windräder für den LK Bad Kreuznach und 272 für LK Kusel bis 2050

IfaS am Umwelt-Campus Birkenfeld entwickelte Studie 2013 ("Null-Emissions-Region Rheinhessen-Nahe")

1. Landkreis Kusel

Im Juli 2015 hat der Kreistag Kusel ein Klimaschutzkonzept verabschiedet.  

In diesem Klimaschutzkonzept, welches durch den Bund finanziert und vom Institut für angewandtes Stoffstrommanagement (IfaS) am Umwelt-Campus Birkenfeld erstellt wurde, wird die Umwandlung von Naturflächen im Kreis Kusel zu einer Energielandschaft bis zum Jahr 2050 beschrieben.

Windenergie

Die Planungen für die Windenergie sehen wie folgt aus:

"Bei heutigem Energieeinsatz von 279.118 MWh/a entspräche dies einer Strombedarfsdeckung von 74%. Die zu erwarteten Erträge würden auf einer Gesamtstückzahl von 84 Teilflächen und insgesamt 4.695 ha erwirtschaftet werden. Insgesamt würden somit 8% der Fläche des Landkreises zur Windenergienutzung genutzt werden." (Zitat aus Klimaschutzkonzept)

Die geplanten Gebiete werden ebenfalls in einer Karte dargestellt.

Wie aus der Karte des IfaS ersichtlich, sind die meisten geeigneten Standorte mit einer durchschnittlichen Windgeschwindigkeit von 6 bis 6,4 m/sek angegeben. In seltenen Bereichen
finden sich Geschwindigkeiten von bis zu 6,8 m/sek. Leider werden keine Angaben gemacht in
welcher Höhe diese Geschwindigkeiten zu finden sind, bzw. wie sie ermittelt wurden.
Durch diverse Ausschlusskriterien kommt das IfaS zu dem Entschluss, dass man auf insgesamt 84
Flächen mit 4695 ha Windenergie planen und bauen kann.

Es wird schon gleich darauf hin gewiesen, dass die verantwortlichen Gremien über die Genehmigung entscheiden und dass das ganze Vorgehen „rechtlich unangreifbare Regelungen“ enthält. Heißt soviel wie: ist so beschlossen, kann eh keiner was dran machen. Das maximale Ausbaupotential soll spätestens 2050 erreicht sein.

Wie rentabel das ganze sein wird, kann man schon an der Potentialkarte bei den Windgeschwindigkeiten ablesen. In nur wenigen Gebieten wird eine durchschnittliche Windgeschwindigkeit von 6,5 m/s und darüber erreicht. Also eigentlich schon mehr Schwachwindgebiete.

(...)

Die VG Lauterecken-Wolfstein hat eine Größe von 237,84 km². Dies würde bei einer geplanten Anzahl von 126 WEA allein für die VG bedeuten, dass rein rechnerisch alle 1,89 km² eine WEA steht. Die bildliche Vorstellung sei hier jedem Einzelnen persönlich überlassen.

Um die auf der Potenzialkarte aufgezeigten Flächen zu realisieren, bliebe nur die Möglichkeit, die gegenwärtig gesetzlich festgelegten Abstände von 800 m zu geschlossenen Wohnbebauungen und 500 m zu Außengehöften noch einmal drastisch zu verringern!

Solar und Geothermie

Wem das Klimaschutzkonzept an dieser Stelle noch nicht weit genug geht:

Im Lautertal entlang der B270 und entlang der B423 (Altenglan - Glan-Münchweiler) sollen demnach Flächen für Solarmodule entwickelt werden. Und an den Stellen, an denen weder Wind- noch Solarenergie installiert werden, könnten immerhin noch Geothermieanlagen geplant werden.

Der überwiegende Teil wird als bedenkenlos eingestuft und wird als "ohne Einschränkungen genehmigungsfähig" gekennzeichnet.

"Bei den dunkelgrün gefärbten Gebieten handelt es sich um genehmigungsfähige unkritische Gebiete. Hierbei ist der Bau von Erdwärmesonden im Hinblick auf den Grundwasserschutz genehmigungsfähig.

Die hellgrün gefärbten Gebiete sind ebenfalls genehmigungsfähige unkritische Gebiete, jedoch mit Hinweisen zu den Untergrundverhältnissen. In diesen Gebieten können aufgrund besonderer hydrogeologischer Verhältnisse Schwierigkeiten bei der Bauausführung auftreten.

Die digitale Kartenauswertung zeigt, dass im Landkreis Kusel nur auf ca.10% der Siedlungsfläche kritische Verhältnisse anzutreffen sind, so dass sich 90% der Siedlungsgebiete für die Installation von Erdwärmesonden grundsätzlich eignen." (Zitat Klimaschutzkonzept)

Wasserkraft

Beim Thema Wasserkraft wird viel Potenzial verschenkt bzw. nicht genutzt. Und dies ganz bewusst, weil entsprechende Anlagen nicht über das EEG vergütet werden. Hier scheint der Klimaschutz nur dann erwünscht, wenn er auch entsprechend finanziell rentabel ist 

Energiewälder und Kurzumtriebsplantagen

Hier soll in erster Linie den Landwirten der Betrieb von Energieholzplantagen schmackhaft gemacht werden. Nutzung vorrangig als Kurzumtriebsplantagen. Dies bedeutet, dass auf größeren Flächen schnellwachsende und ausschlagsfähige Baumarten wie Pappeln und Weiden angepflanzt werden. Diese werden gezielt auf hohe Biomasseproduktion und schnelles Wachstum gezüchtet, um die Ernteintervalle so weit wie möglich zu verkürzen. Für Landwirte bedeutet diese Bewirtschaftung ein sehr arbeitsextensives Anbauverfahren mit einer möglichen Ernte alle drei bis zehn Jahre. Nach ca. 20 Jahren ist ist die Produktionskraft der Pflanzen ausgereizt, und es müssen neue Flächen angelegt werden. Um die genutzten Flächen wieder in Ackerflächen umwandeln zu können, müssen die Wurzelstöcke vollständig entfernt werden.

Kurzumtriebsplantagen zählen nicht zum Wald und fallen auch nicht unter das Forstrecht. Sie zählen zu landwirtschaftlichen Dauerkulturen.

Eine mögliche Variante dieses Verfahrens sind die Flächen mit Schilfgras, die man zur Zeit immer wieder in der VG findet. Diese ermöglichen ein jährliches Ernteintervall.

Die fehlenden Möglichkeiten unserer Fauna, solche Flächen überhaupt zu nutzen, sei hier nur am Rande erwähnt.

Darüber hinaus wird im Klimaschutzkonzept noch mit einer ganzen Reihe Biogasanlagen geplant.   

Eine Zusammenstellung erfolgte durch die
Interessengemeinschaft Windkraftfreies Wolfersheck und Wandern gegen den Wind / Hohenöllen im Landkreis Kusel / Rheinland-Pfalz

Herzlichen Dank an Dr. med. vet. Sabine Bender

Download-(Link): Klimaschutzkonzept 2050 Landkreis Kreis Kusel

2. Landkreis Bad Kreuznach

Herausgehoben sei hier nur einmal Seite 107 der Studie für den Landkreis Bad Kreuznach, welche den Ausbau der Windenergieanlagen mit dem in einer ersten Ausbaustufe Flächen erschlossen werden, die bereits als Eignungs- und Vorranggebiet ausgewiesen sind.

Windenergie - Potentiale

(...)

Dies lässt stark vermuten, dass über das rot-grüne Landesentwicklungsprogramm IV (LEP IV) in seiner gegenwärtigen Form noch weitere Ausbaustufen folgen sollen, insbesondere deshalb, weil insoweit hier erst 8% des Windkraftpotentials des LK Bad Kreuznach betrachtet wurden.

(...)

Dazu heißt es in Fußnote Nr. 59 auf Seite 60
"Im Zuge einer überregionalen Betrachtung, d.h. unter Einbeziehung städtischer Bereiche mit hoher Einwohnerdichte und geringen Flächenpotentialen für erneuerbare Energien ist eine entsprechende Überversorgung ländlicher Raum erforderlich - und auch realistisch umsetzbar."

(...)

Die Zusammenfassung in Bezug zur Windkraft findet man auf Seite 113
"Um den gesamten Stromverbrauch in der Region decken zu können, sind lediglich 11% der Potenzialflächen erforderlich. Es darf jedoch nicht übersehen werden, dass der Region eine wichtige Rolle bei der (Mit-)Versorgung der benachbarten Städte zukommt. Ohne eine Überproduktion im ländlichen Bereich ist das Gesamtziel der Landesregierung jedoch nicht zu erreichen."

Im Übrigen ist die Studie für Jedermann über die Website des Landkreises Bad Kreuznach im Volltext als PDF einsehbar.

Download bei der Kreisverwaltung Bad Kreuznach:
"Integriertes Klimaschutzkonzept" und Teilkonzept "Erschließung der verfügbaren Erneuerbaren-Potentiale" in den Landkreisen Alzey-Worms, Bad Kreuznach und Mainz-Bingen aus der Planungsregion Rheinhessen-Nahe.

3. Landkreis Birkenfeld

Ein eigenständiges Klimaschutzkonzept für den Nationalparkkreis aus der Planungsregion Rheinhessen-Nahe ist bisher nicht erschienen bzw. uns nicht bekannt.

???

Warum sollen wir im ländlichen Raum eigentlich unsere Naturlandschaften für den "Klimaschutz opfern", wenn es auch noch andere geeignete Handlungsspielräume gibt?

Also, warum gilt eigentlich in Deutschland immer noch kein Tempolimit auf Bundesautobahnen wie im Rest Europas?

Deutschlands Klimaschutzziele bis 2020 zur Reduktion von Treibhausgasen und deren Äquivalenten ließen sich vermutlich schon durch weitaus kostengünstigere Maßnahmen erreichen.

Könnte es vielleicht daran liegen, dass man mit einem Tempolimit kein Geld verdienen kann? (...)

tv Dienstag 15. Dezember 2015 - 12:55 Uhr | | Artikel